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Geliebte Geschwister, unser Predigtext
für heute Morgen findet sich in dem Buch der Psalmen. So schlag Gottes Wort auf zu
Psalm 13. Wir betrachten den zweiten Vers
aus diesem Psalm. Psalm 13, Vers 2. Hier heißt es in Gottes heiligem
Wort, Bis wann, Herr, willst du mich für immer vergessen?
Bis wann willst du dein Angesicht vor mir verbergen? Amen. Lasst uns beten. Unser Vater,
um Christi willen beten wir. Vergiss uns nicht und wende jetzt
dein Angesicht uns zu. Sprich zu uns durch dein Wort
und lehre uns, dich mehr zu suchen, dich mehr zu fürchten und dich
mehr zu lieben. Wir beten in dem Namen unseres
Herrn Jesus Christus. Amen. Nehmt gerne Platz. Der Reformator Johannes Calvin
sagte in dem Vorwort zu seinem Psalmenkommentar folgendes über
die Psalmen. Das Buch der Psalmen ist eine
Anatomie aller Teile der Seele. Und zurecht, sagte er das. Denn in den Psalmen finden wir
alle möglichen Seelenzustände der Gerechten. Wir lesen von
den Höhen der Seele und des geistlichen Lebens, von Sieg, Freude, Jubel,
Jauchzen, Danksagung und dann Betung. Aber das ist nicht alles,
was wir in dem Psalmen finden. Dem Heiligen Geist hat es auch
gefallen, uns die tiefen Täler der Seele in dem Psalmen zu zeigen. Und eines dieser finsteren Täler
finden wir in dem vor uns liegenden Text. Und so möchte ich nun unseren
Predigtext anhand von zwei Punkten näher betrachten. Erstens, in
welchem Zustand befindet sich der Psalmist? Und zweitens, wie
geht er mit seinem Zustand um? So kommen wir zu dem ersten Punkt.
In welchem Zustand befindet sich der Psalmist? Er spricht hier,
willst du mich für immer vergessen? So beschreibt er seinen Zustand. Er fühlt sich von Gott vergessen. Dasselbe wiederholt er in der
zweiten Hälfte des Verses mit anderen Worten. Er spricht, willst
du dein Angesicht vor mir verbergen? Aber wodann macht er das fest? Wie kommt er zu dem Schluss,
dass er bei Gott in Vergessenheit geraten ist und er sein Angesicht
von ihm abgewandt hat? Wir wissen aus Vers 1, dass David
der Verfasser dieses Psalms ist. David war ein gottesfürchtiger
Mann, der Mann nach dem Herzen Gottes. Er war aber nicht bloß
jemand, der Gott fürchtete, sondern der Gesalbte des Herrn. Der Herr hat ihm durch sein Wort
verheißen, König über Israel zu sein und über das Volk Gottes
zu regieren. Aber davon war für lange Zeit
nichts in seinem Leben zu sehen. Ganz im Gegenteil, Saul, dem
er so viel Gutes erwies, trachtete nach Davids Leben. Aber auch
sein Volk, das er oft vor den Feinden errettete, verschont
ihn bei all dem nicht. Man schätzt, dass David insgesamt
um die zehn Jahre auf der Flucht vor Saul war. Stell dir das mal
vor, mindestens zehn Jahre von seinen insgesamt 70 Lebensjahren
lebte er unter ständiger Verfolgung. Der Psalm selbst verrät uns,
dass diese Zeit David sehr lange erschien. Denn achte darauf,
er spricht hier davon, ob der Herr ihn für immer vergessen
hat. Das heißt, er muss schon sehr
lange unter diesen Umständen gelitten haben, sonst hätte er
nicht das Wort immer verwendet. Sag, sieht so das Leben eines
Königs aus? Ist das der Segen des Herrn über
seinem Gesalbten? Wahrscheinlich war, wie wir David
aus den heiligen Schriften kennen, zu Beginn, trotz der Widrigkeiten,
ermutigt und blickte voller Zuversicht auf den Herrn und seine Verheißungen.
Viele der Psalmen, in denen David sein Vertrauen zu Gott bekennt,
stammen wahrscheinlich gerade aus dieser Zeit. Und das war
sein Halt in dieser schwierigen Zeit. Ja, ein Christ mag sich
in den größten Anfechtungen befinden, aber solange der Herr bei ihm
ist, kann er sprechen, wie es im Psalm 23 heißt. Auch wenn
ich wanderte im Tal des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn
du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich. Aber Jahr für Jahr verging und
es wurde nicht besser. Stell dir das mal vor, über solch
eine lange Zeit, geplagt von Gefahren, Sorgen, Todesangst
und schlaflosen Nächten. Und das alles, obwohl David der
Gesalbte des Herrn war. Er seinen Gott fürchtete, ihm
vertraute, Gottes Wort in seinem Herzen bewahrte und auf seinen
Wegen ging. Und so kam in Davids Herzen irgendwann
der Gedanke auf, obwohl er doch die Verheißungen Gottes kannte,
dass der Herr ihn vergessen und sich von ihm abgewandt hat. Und
ja, solche Zeiten gibt es in dem Leben eines Christen. Zeiten,
in denen man nicht weiß, ob der Herr noch mit einem ist. Und
nicht nur David erging es so in seinem Leben. Dieser Zustand
ist kein Phänomen, das bloß in dem Leben einzelner Christen
auftaucht. Wie viele Männer Gottes sind
durch dieses dunkle Tal gegangen, selbst die Größten und Besten
unter ihnen. Zurecht sagte Spurgeon dazu,
ich stelle fest, dass einige, die ich sehr liebe und schätze
und meines Erachtens zu den besten des Volkes Gottes gehören, dennoch
den größten Teil des Weges zum Himmel bei Nacht zurücklegen.
Denkt zum Beispiel einmal an Hiob, über den der Herr selbst
sagt, dass seinesgleichen kein Mann auf der Erde war. Hört,
was Hiob in Kapitel 23 in den Versen 8 und 9 über den Herrn
spricht. Siehe, ich gehe vorwärts, so
ist er nicht da, und rückwärts, so bemerke ich ihn nicht. Zur
Linken, während er wirkt, so schaue ich ihn nicht. Er verhüllt
sich zur Rechten, und ich sehe ihn nicht. Auch den Propheten
Jeremias sind die Worte Davids und Hiobs bekannt. Er spricht
im Klagelied in Kapitel 3 in den Versen 2 bis 3 folgendes. Mich hat er geleitet und geführt
in Finsternis und Dunkel. Nur gegen mich kehrt er immer
wieder seine Hand den ganzen Tag. Oder hört einmal, was Hemann
im Psalm 88 bekennt. Warum, Herr, verwirfst du meine
Seele, verbirgst dein Angesicht vor mir? Freund und Genossen
hast du von mir entfernt, meine Bekannten sind Finsternis. Aber nicht nur in der Heiligen
Schrift, sondern auch in den Biografien von Männern Gottes,
wie Spurgeon selbst, David Brainard, Henry Martin und viele mehr,
ist von Zeiten zu lesen, wo es ihnen ging, als hätte sie Gott
verlassen. Und wenn einem Gläubigen das
starke Empfinden überkommt, dass Gott nicht mit einem ist, sein
Stecken und Stab zurückgezogen sind, so ist da kein Trost und
kein Friede. Wie viel Bitter macht dieses
Gefühl jede Anfestung? Ja, dieser Seelenzustand ist
so schlimm für einen Christen, dass er selbst den hellen Tag
zu einer Nacht macht. David selbst schreibt weiter
in Vers 3 dieses Psalms, dass er Sorgen in seinem Herzen hegt
und Kummer bei Tag. Die Puritaner, die ich sehr schätze,
nannten dieses Tal die dunkle Nacht der Seele oder die Winterzeit
der Seele. So wird dieser Zustand auch im
Hohelied beschrieben. Im Kapitel 2 des Hohelieds lesen
wir davon, dass der Geliebte zu seiner Geliebten zurückkehrt
und hört einmal, wie die Zeit beschrieben wird, als die Geliebte
von ihrem Geliebten getrennt war und er nun zu ihr zurückkehrt. Es heißt dort, Denn siehe, der
Winter ist vorbei, der Regen ist vorüber, er ist vergangen. Und jetzt, als er zu ihr zurückkehrt,
die Blumen erscheinen im Land, die Zeit des Gesangs ist gekommen,
und die Stimme der Turteltaube lässt sich hören in unserem Land. Der Feigenbaum rötet seine Feigen,
und die Weinstöcke sind in der Blüte, geben ihren Duft. Wenn das Angesicht des Herrn
dem Gläubigen zugewandt und er in Gemeinschaft mit seinem Herrn
ist, so ist es Sommer für seine Seele. Die Vögel singen, die
Bäume und Pflanzen stehen in ihrer vollen Pracht, und die
Freundlichkeit des Herrn scheint wie die warmen, lebenspendenden
Sonnenstrahlen auf den Christen. Aber wenn der Gläubige empfindet,
dass der Herr sich von ihm abgewandt hat, so ist das Winter. Es regnet, es ist kalt und düster,
da ist kein Leben und keine Freude. Und das ist der Zustand, in dem
David sich befindet. Und nachdem wir nun seinen Zustand
betrachtet haben, wollen wir schauen, wie er damit umgeht. Das führt uns zu dem zweiten
Punkt. Wie geht er mit seinem Zustand
um? Nochmal der Predigtext. Bis wann,
Herr, willst du mich für immer vergessen? Bis wann willst du
dein Angesicht vor mir verbergen? Das Empfinden, dass der Herr
sich von David abgewandt hat, führt ihn nicht dazu, sich auch
vom Herrn abzuwenden. Nein, was tut er hier? Er betet. Er spricht, bis wann, Herr? Er fragt den Herrn, bis wann
dieser Zustand noch so andauern soll, bis wann er ständig Kummer
und Sorge in seinem Herzen tragen soll, bis wann der Feind sich
über ihn erhebt. und achtet darauf, er wiederholt
die Frage, bis wann in diesem Psalm insgesamt vier Mal. Er betet in Brünstig und ringt
mit seinem Gott. Es ist, als ob er zu dem Herrn
spricht, Herr, wie lange noch? Wie lange noch soll das gehen?
Wie viele Jahre soll ich noch so verbringen? Du siehst doch,
dass ich nach deinem Willen wandle und jeden Bereich meines Lebens
danach ausrichten möchte, dass ich tue, was du in deinem Wort
sagst, dass ich auf deine Verheißungen vertraue, die du mir gegeben
hast, Und trotzdem sehe ich nichts von deinem Wirken, sehe nicht,
wie du mich segnest und mir hilfst. Hast du dich von mir abgewandt? Hast du etwa vergessen, was du
mir verheißen hast? Wo ist dein starker Arm? Wo ist dein mächtiges Eingreifen? Sag, Bruder, Schwester, kennst
du diese Winterzeit? Befindest du dich gerade in einer
dieser dunklen Nächte, wo es dir so geht, als hätte der Herr
dich vergessen und sein Angesicht von dir abgewandt? Und selbst wenn es gerade bei
dir nicht der Fall ist, so denke daran, dass dich in Zukunft solche
Zeiten erwarten können. Aber womöglich bist du jemand,
der sich immer wieder phasenweise in diesem Tal befindet oder schon
seit sehr langer Zeit darin ist. Geht es dir wie David, dass du
auf dein Leben schaust und nicht verstehst, warum der Herr immer
noch nicht eingegriffen hat? Vielleicht ist es bei dir deine
Ehe, die Errettung deiner Kinder oder Verwandten, deine Situation
auf der Arbeit oder zu Hause, gesundheitliche Probleme oder
der Kampf gegen eine bestimmte Sünde. Du versuchst, dein Leben
nach Gottes Wort zu ordnen, deine Pflichten zu tun, auf seine Verheißungen
zu vertrauen, Gebrauch von allen Gnaden mitnöten zu machen, Rat
bei unseren Pastoren zu suchen und so weiter, und trotzdem siehst
du keine Besserung, keinen Fortschritt, kein Eingreifen, keine Kraft
und keinen Sieg. Aber auch wir als ganze Gemeinde
haben sehr wichtige Anliegen, wo wir uns fragen, wann der Herr
denn endlich eingreift. Sei es zum einen unsere Evangelisation,
wo wir bisher kaum Frucht gesehen haben, oder grobe Sünden in unserem
Land, wie Abtreibung und so weiter. Geschwister, lasst uns nicht
den Mut verlieren, sondern all das und mehr ins Gebet treiben
lassen. Ich bin der festen Überzeugung,
dass das auch einer der eigentlichen Gründe ist, warum der Herr diese
Zeiten zulässt. Denkt einmal darüber nach. Wenn
David diese lange Zeit der Anfechtung erspart geblieben wäre, wie viel
weniger Gebete hätte er gesprochen, wie viel weniger hätte er seine
vollkommene Abhängigkeit zum Herrn erkannt, wie viel weniger
Psalmen, die uns so kostbar sind, hätten wir heute und wie viel
weniger wäre der Herr in all dem verherrlicht worden. Und
ist es auch nicht so mit uns, wenn wir an vergangene Täler
denken, durch die wir gegangen sind? Und so lasst uns auch jetzt
daran denken. Der Herr möchte angerufen werden. Er möchte, dass die Seinen im
Gebet mit ihm ringen und mit Jakob sprechen. Ich lasse dich
nicht los, es sei denn, du segnest mich. Möge ein jeder Einzelne
von uns wie David in voller Abhängigkeit und Inbrunst zum Herrn beten. Möge in unserem Kämmerlein, in
unseren Familienandachten und in unseren Gebetstunden mehr
zu hören sein, wie wir rufen, bis wann, oh Herr, willst du
mich für immer vergessen? Bis wann willst du dein Angesicht
vor uns verbergen? Wie lange noch soll es in meiner
Ehe oder in dem Leben meiner Kinder so aussehen? Wann wirst
du mich deine Kraft sehen lassen und mir Sieg über diese Sünde
schenken? Bis wann sollen wir keine Frucht
in unserer Evangelisation sehen? Bis wann sollen die Gottlosen
ihre Gräuel ungestraft ausüben? Herr, gedenke deiner Frommen,
gedenke deines Wortes und deiner Verheißungen. Bis wann, oh Herr,
bis wann willst du uns nicht erhören? Und bei all dem und am allerwichtigsten,
lasst uns daran denken, dass wir von Natur aus solche waren,
die es verdient haben, von Gott vergessen und verlassen zu werden. Unsere Gebete finden nur Erhörung
bei Gott wegen dem Herrn Jesus Christus. Denn hört einmal, was
im Psalm 22 prophetisch über die Leiden unseres Heilands geschrieben
steht. Mein Gott, mein Gott, warum hast
du mich verlassen? Bist fern von meiner Rettung,
den Worten meines Gestöns. Mein Gott, ich rufe am Tag und
du antwortest nicht. Und bei Nacht und mir wird keine
Ruhe. Weil Christus am Kreuz an unserer
Stadt von seinem Vater verlassen wurde, wird Gott uns niemals
vergessen. Weil Christus wegen all unseren
Sünden das zornige Angesicht seines Vaters am Kreuz erblicken
musste, wird Gott sein Angesicht niemals von den Seinen abwenden. Weil Finsternis im Land war,
als Christus am Kreuz hing, dürfen wir in dem lebenspendenden Licht
der Gnade Gottes stehen und die Gewissheit haben, dass Gott unsere
Gebete erhören wird. Und selbst wenn in Gottes Weisheit
unsere Gebete nicht so erhört werden sollten, wie wir es uns
wünschten, so dürfen wir wissen, dass in Christus uns alle Dinge,
so wie es Gott verordnet hat, zum Guten dienen. Und auch wenn
wir schwach sind und scheitern, nicht so beten, wie wir es sollten,
so haben wir die Gewissheit, dass wir einen Fürsprecher beim
Vater haben, der lebt, um sich alle Zeit für uns zu verwenden. Und so mögen wir, liebe Geschwister,
jeder von uns, durch das Schauen auf unseren Herrn Jesus Christus,
Mut und Glauben schöpfen. Ja, möge ein jeder von uns sprechen,
wie David es am Ende dieses Psalms mit neuer Zuversicht tat. Es spricht am Ende, ich aber,
ich habe auf deine Güte vertraut. Mein Herz soll über deine Rettung
flocken. Ich will dem Herrn singen, denn
er hat wohlgetan an mir. umso dem aber, der euch ohne
Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit untadelig
darzustellen vermag, mit Fröhlocken, dem alleinigen Gott, unserem
Heiland, durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit,
Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle
Ewigkeit. Amen.
Fühlst du dich von Gott vergessen und verlassen?
Eine Auslegungspredigt von Bruder Leonardo Zarbo über Psalm 13, 2.
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| Sermon ID | 86231140215719 |
| Duration | 17:34 |
| Date | |
| Category | Sunday Service |
| Bible Text | Psalm 13:2 |
| Language | German |
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